Review

Sefi Atta:

Everything Good Will Come

// Black HERstory Month

// Im Februar 2020 habe ich eine Reihe an Empfehlungen für Bücher von weiblichen bzw. female presenting Schwarzen, afrikanischen Autor*innen auf Instagram hochgeladen. Im deutschsprachigen Raum sind Schwarze Autor*innen ohnehin unterrepräsentiert, von Schwarzen Autor*innen Afrikas, die nicht in der europäischen oder amerikanischen Diaspora sozialisiert wurden, hört man so gut wie gar nichts. Hier die Rezension zu dem dreizehnten Buch (bzw. in diesem Fall der dreizehnten Autorin), das ich im Rahmen des Black History Month empfohlen habe. Ich nehme in diesen Rezensionen grundsätzlich Bezug auf die englischen Originalversionen (in manchen Fällen auch Übersetzungen) der Romane. Auf deutsche Übersetzungen weise ich hin. Notiz 15.02.2021: Ich habe das, was ich rezensiere, etwas angepasst. Mindestens eine der Autor*innen auf meiner ursprünglichen Liste ist jüngst durch transfeindliche Äußerungen aufgefallen, weswegen ich in dieser Reihe kein Buch von ihr rezensieren werde. Insgesamt zeichne ich nicht verantwortlich für künftige Äußerungen und Einstellungen der Autor*innen, die mir zum Zeitpunkt der Rezensionen unbekannt sind. Allerdings behalte ich mir vor, Rezensionen nachträglich zu entfernen, sofern es zu einem menschenfeindlichen Auftreten kommen sollte.

Content Note: Sexualisierte Gewalt

13. Sefi Atta: Everything Good Will Come

Attas Geschichte von Enitan, einer jungen Frau im postkolonialen Nigeria, ist im weitesten Sinne ein recht klassischer Bildungsroman, zumindest insofern, als dass das Leben Enitans nachgezeichnet wird und sie mit ihrer Lebenserfahrung ihre anfängliche Naivität (und sassiness) ablegt. Die Frage ist allerdings ob und inwiefern diese lebensweltlich bedingte Bildung wirklich zum Vorteil der Protagonistin ist, ob es nicht gerade diese Bildung ist, die der Emanzipation Enitans im Weg stellt.

Auch dieser Roman ist in seiner Anlage zutiefst feministisch und befasst sich mit der Frage nach Selbstbestimmtheit in patriarchalen Strukturen. Enitan wird im Laufe ihres Lebens dazu befähigt (und befähigt sich selbst), für ihre Überzeugungen einzustehen. Besonders spannend ist das Verhältnis zu ihrer Kindheitsfreundin Sheri, deren Vergewaltigung Enitan miterlebt. Zunächst ist Enitan nicht in der Lage, mit der Situation umzugehen, und distanziert sich viele Jahre lang von Sheri (und damit von der Gewalt, die als weiblich gelesene Körper im nigerianischen Patriarchat widerfahren). Die Verbundenheit zwischen den beiden Frauen überdauert, und schlussendlich stärken sie sich gegenseitig in ihrem Emanzipationsprozess. Kritisch anzumerken ist vielleicht, dass dennoch eine (wenngleich sehr subtile) moralisierende Hierarchie aufgemacht wird zwischen der sexuell eher offeneren Sheri und der konservativeren Enitan.

Besonders interessant ist in dem Roman die Art und Weise, in der Atta von den Anspannungen zwischen Igbo, Yoruba und Hausa im Nachgang des Biafra-Krieges erzählt. Die Einmischung ehemaliger Kolonialmächte in innerafrikanische Politik und das postkoloniale Konstrukt aus westlicher Sicht gleichermaßen werden kritisch hinterfragt und kommentiert.

Everything Good Will Come erschien 2008 unter dem Titel Sag allen, es wird gut in deutscher Übersetzung von Sigrid Groß im Peter Hammer Verlag.

 

 

       Bild von Marie Minkov (@mmariemkv auf Instagram)